Archiv hat geschrieben: ↑Di 10. Apr 2018, 05:02
Liebe Clusterkollegen,
im Forum der französchen Selbsthilfegruppe "association française contre l‘algie vasculaire de la face" (
www.afcavf.fr) liefern sich einige Mitglieder gerade eine interessante Diskussion zum Thema Melatonin. Sie hätten gelesen, dass während Clusterkopfschmerzattacken der Melatoningehalt zu niedrig sei. Daher experimentieren sie jetzt mit Nüssen (?gelten Nüsse nicht als Trigger?) und Nussöl. Einige von ihnen nehmen abends einen Teelöffel Nussöl zu sich (oder mischen es in die Salatsauce) und behaupten, sie hätten seither weniger Attacken ... Sie müssten nur die richtige Dosierung finden. Ich möchte jetzt keinen zu irgendwelchen Experimenten mit Nussöl animieren (könnte nämlich auch daneben gehen. Ich selbst traue mich auch nicht, es auszuprobieren), möchte nur hier mal hören, ob jemand davon schon etwas gehört hat.
Liebe Grüße,
Andrea
Hallo Andrea,
wie schon gesagt wurde ist Melatonin seit bestimmt 12 Jahren insbesondere in den USA ein hochgelobtes (und sehr profitables) Nahrungsergänzungsmittel.
Also kein Arzneimittel. Und die Art der Werbung, die für das Material gemacht wird unterscheidet sich im Kern nicht von Aloe Vera oder anderem Zeug, das Schlangenölverkäufer bei CKS immer wieder verkaufen wollen.
Was sind nun die Fakten?
Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das der Körper aus Serotonin in der Zirbeldrüse herstellt.
Es ist beobachtet worden, daß der Melatoninwert in der Nacht steigt, in gleicher Weise (weil es halt daraus hergestellt wird) sinkt der Serotoninspiegel.
Serotonin wirkt gefäßverengend.
Weil bei CKS Entzündungsprozesse an bestimmten Gehirnarterien stattfinden glaubte man, daß die Gabe von Melatonin dazu führen würde, den Serotoninspiegel zu erhöhen (weil kein Serotonin für die Melatoninproduktion gebraucht würde).
Man fand außerdem, daß bestimmte Hormon/Neurotransmitterspiegel bei CKS-Patienten im Vergleich zu Gesunden verändert waren. Dabei eben auch die Serotonin- und Melatoninspiegel.
Für einige Leute war damit der Beweis erbracht, daß das die Ursache von CKS sei, wie es halt immer sporadisch irgendein neues Zeugs gibt, daß angeblich die Ursache von CKS ist, bzw. denselben bekämpft.
Tatsächlich konnten die Behauptungen nie bestätigt werden. Sie sind reine Spekulation geblieben (und damit der Stoff aus dem Geschäftemacher stets Kapital schlagen) und ob diese Beobachtungen überhaupt miteinander zu tun haben ist sogar eher unwahrscheinlich (aber es wäre mal eine interessante Untersuchung).
Man muß es halt mal so sehen: das Gesundheitssystem der BR Deutschland ist bei aller berechtigten Kritik und hohem Verbesserungspotential, doch (noch) ziemlich gut (ich hoffe, das bleibt auch noch so).
In anderen Ländern werden bestimmte Medikamente nicht bezahlt, oder nur untergeodnet bezahlt. Ich finde es schlimm, wenn ich lesen muß, daß CKS-Patienten sich z.B. mit Schnee abreiben müssen und dergleichen mehr, weil sie keinen Sauerstoff bekommen. Oder diese Torturen, die eine Patientin in der Schweiz ertragen mußte mußte, weil sie nur zwei Imigran bekam, aber acht Attacken am Tag hatte (und wir in Deutschland denken immer, die Schweiz sei so vorbildlich).
Die Menschen in diesen Gesundheitssystemen suchen nach wirksamen Medikamenten, die sie bezahlen können. Und damit werden gerade diese besonders leicht zum Opfer von Geschäftemachern, die ihren Dreck verkaufen wollen.
Vor diesem Hintergrund betrachtet bin ich stets sehr vorsichtig, was so in Internetforen als Mittel gegen CKS angepriesen wird. Denn das Dreckszeug reicht nun wirklich von Aloe vera über Blutegel bis hin zu Sauerstoffwasser und Zauberpilzen.
Ob diese Gesundheitsreform, die wir in Deutschland gerade durchführen auch Auswirkungen auf diesen Schlangenölmarkt hat, würde mich ja mal interessieren.
(Entschuldigung für den langen Beitrag)
Gruß und schmerzfreie Zeit